Die hier vorgestellten Arbeiten sind eine Auswahl von BĀLAVAT’s Objektbildern und Objekten, die in den Jahren 1993 bis 2013 entstanden sind.
Weitere Werke in der virtuellen Themen-Ausstellung und im BĀLAVAT-Atelier Berlin.
Die Objektbilder sind in der Regel dimensionsübergreifend. Dieser Bildaufbau resultiert aus BĀLAVAT’s Intention, verschiedene Wirklichkeitsebenen zu verbinden und Brücken zwischen der 1. Dimension, die für BĀLAVAT der ursprünglichen, noch unmanifestierten Idee entspricht, und der hiesigen, dreidimensionalen Wirklichkeit herzustellen.
Die dazugehörigen Texte sind von BĀLAVAT selbst verfasst. Sie bilden literarische Brücken in seine Bilderwelt und erhöhen die Aussagekraft der bildnerischen Arbeiten.
Die Erschaffung der Schäfchenwolken
"Mutter!" rief das göttliche Kind, "nun weiß ich endlich, wie Schäfchenwolken hergestellt werden. Der Vater hatte es mir nicht sagen wollen, als ich ihn danach fragte. Er war der Meinung, dass ich es selbst herausfinden solle. Ist das nicht gemein von ihm?"
"Nein, nein", antwortete Maria und schüttelte den Kopf, "das ist es nicht, mein liebes Kind. Es ist die Methode des Vaters, dich dazu anzuregen, so zu werden wie er: ein Schöpfer des Himmels und der Erde." [...]
Der immerwährende Tag
Als endlich das Gefäß leer war, welches das Leben der natürlichen Motive beherbergt hatte, und der Stillstand des Denkens erreicht war, den man Entwerden nennt, öffnete sich geräuschlos und unerwartet die undurchdringliche Nacht des Todes und der stummen Verneinung, und durch einen Spalt von wenigen Zentimetern wurde das Licht des immerwährenden Tages sichtbar, [...]
Zutiefst fand ich, was zuhöchst ist
"Schau nur", sagte er zu ihr. "Das Loch in der Erde war doch vorhin noch nicht da! Ich wusste gar nicht, dass die Erdkruste so dünn ist. Außerdem habe ich gehört, dass das Erdinnere aus glühender Lava bestehen soll. Hier aber ist unter dem papierdünnen Acker nur unendlicher, leerer Raum. [...]
Die Artistenfamilie in der Wüste
Es träumen die Künstler vom Seile am Himmel, Artisten des Geistes wollen sie sein; doch wehe, sie stürzen, verlacht ob des Wahnsinns und Mutes, den sie bewiesen, und auch ihrer Einsicht, die keiner zu teilen am Boden bereit.
So wissen sie dennoch, auch wenn sie fallen, ums Wahre und Hohe, das sie gefunden im kühnsten der Akte, zu dem fähig der Mensch: sein Leben zu wagen für eine Idee. [...]
Das große Opfer
"Man muss durch die Hölle, wenn man den Reproduktionszwang bewusst überwinden will, da seine Notwendigkeit durch keine andere Materialisierungstechnik ersetzt ist", sagte die Dame mit dem Hermelin lächelnd, nachdem ihr das unmögliche Vorhaben geglückt war und sie ihre bewusste Existenz erlangt hatte, [...]
Der Diskuswerfer
Man hatte ihm gesagt, er solle die Augen schließen, dann würde er schon in die Tiefe des Wesens gelangen. Nur nicht einschlafen solle er, hatte man ihm geraten.
Das wäre die größte Gefahr beim Einstieg in das innere Dasein. Bliebe er wach, ohne zu denken, nur lange genug, dann träten sie hervor hinter dem schwarzen Vorhang, die unermesslichen geistigen Königreiche. [...]
Der zweite Versuch
"Da das Christentum nun endgültig als überaltert angesehen werden kann, ist es an der Zeit, eine neue geistige Ausrichtung zu artikulieren, wie es die neueste philosophische Entwicklung in den Vereinigten Staaten fordert, um dem denkenden Menschen ein neues Motiv und einen neuen Inhalt durch eine fundierte LETZTBEGRÜNDUNG seines und des Daseins der Welt zu geben, [...]"
Heißrechnen
"Schau nur, Cherub! Die Noten verwandeln sich in Zahlen. Himmlische Gesänge werden zur geometrischen Reihe. Alle Töne verdoppeln sich.
Aus 1 wird 2, aus 2 wird 4, aus 4 wird 8.
Oh Gott, oh Gott! Das wird meine an freie Harmonien gewöhnte Stimme nicht mitmachen. Was sich der Komponist nur gedacht hat? Schau nur, Cherub!" [...]
Das Geheimnis der Schöpfung oder Dasselbe und das gleiche
Es sang der frohe Wandersmann
zur Melodie, die jeder kennt:
"Nun schau sich einer das mal an,
was man die Mutter Erde nennt:
Ein Haus, ein Berg, ein Baum, ein Strauch
und grüne Wiesen überall.
Ein blauer Himmel, Wolken auch;
im Raum der runde Erdenball!
Was hier nicht ist, ist nirgendwo.
Die Wiederholung, die es gibt,
macht, dass man stets erneut und froh
dasselbe, nicht das gleiche liebt. [...]
Marias Kulturtasche
"Aber Jesus! - Du räumst ja meine ganze Kulturtasche aus!", rief Maria zärtlich und dennoch erschreckt, als der unbefleckt Empfangene so, als wolle er nicht nur dem Inhalt ihrer Tasche auf den Grund gehen, sondern dabei auch gleich die Abgründe ihres Herzens erforschen, ihre Kulturtasche auspackte und den Inhalt nach eingehender Begutachtung am Strand verstreute.
"Mutter", sprach er, "ich suche nach der Ursache der Kultur." [...]
Manna, Manna, Himmelsbrot
[...] "Käme der Mensch ohne Nahrung aus, brauchte er nicht zu essen und wäre somit weitaus weniger in ein kollektives Gebilde des Erhalts seiner Art, wie den Staat, eingebunden, würde dadurch einer übertriebenen Individualisierung folgen und somit zwangsläufig in der Pervertierung aller seiner verbliebenen Bedürfnisse enden [...]
Die entfesselte Wahrheit
Wer wird es wagen, Wahrheit, dich,
die du an Stoff gefesselt, zu befreien
und zu behaupten, fertig und vollendet
sei nun die Körperform und an der Reihe,
den Geist, den schwachen und zurückgebliebenen,
verkümmerten, an neuen Tropf zu legen,
damit ihm aufgeht, was so fest verschlossen,
und Einsicht ihm gewährt wird durch Erfahrung? [...]
Mit Vollkampf und Rückenwind ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Es ruft uns die Freiheit, wo immer wir gehen und stehen, sitzen und liegen, fahren und fliegen, schwimmen und gleiten, rutschen und fallen.
Freiheit, so sagt man, sei jene Kraft, die Ketten der Disziplin freudig zu tragen.
So wird sie erzwungen, die Freiheit, die aus der Ordnung erwächst. [...]
Der Nachtindianer
"Wir haben noch ganz andere Möglichkeiten, unseren Willen durchzusetzen", sagte der Häuptlingssohn der Nachtindianer, nachdem er die Weihnachtsmänner abgestaubt hatte.
Diese schimpften und fluchten zwar, als sie enteignet waren, und verloren die Köpfe, aber der Nachtindianer sprach zu ihnen:
"Freunde, der Eigentumsbegriff muss völlig neu definiert werden. [...]
Der Durchbruch oder Die fünfte Dimension
Es ward der Punkt, die Fläche, dann der Raum. Als der sich in Bewegung setzte, entstand die Zeit, die physische, die, die wir alle kennen, die unerbittliche, mit der man strafen kann und morden, nach der man misst und sich bezahlen lässt:
Zeitbomben-Zeit, Glücksmessungsbarometer; denn Zeit ist Geld und Jugend, Alter, und mit der Zeit wächst sogar Gras darüber. [...]
Begegnung
Es gibt Begegnungen, die unerwartet, aus heiterem Himmel, aber doch geschehen, obwohl der Ort, die Zeit nicht zueinander passen, und die doch, sieht man näher hin, kausale Folge, Notwendigkeit gar in sich bergen. Und hätte man nur weit genug und bis ans Ende hin gedacht, sie wären sicherlich voraussehbar gewesen. - [...]
Das Schäferstündchen in der Lüneburger Heide
Ich kam ans Ende dieser Galaxie, auf meiner Suche nach dem höchsten Punkte, der Einsicht heißt und Wissen von den Dingen, ihrem Zweck und Nutzen, Plan und Ziel, und glaubte, meinen Augen nicht zu trauen: Da war die Lüneburger Heide! Wie man sie kennt von Bildern oder Reisen. [...]
Das verlorene Maß
Mit frommem Blick auf hoher Kanzel Phrasen donnernd, damit's Kollektenkörbchen voller wird als letzten Sonntag, dabei ein schielend Auge auf die süße Maid gerichtet, die in der ersten Bank im leichten, straffen Kleide in Andacht glüht, verzückt der Lüge lauschend, stand er, der Herr Kaplan.
Da ward ihm schwarz vor Augen. Er hatte wohl zu tief die Luft gesogen. Vielleicht war's auch der Weihrauch, der ihn schwindeln ließ. Er sank zu Boden, und es wurde Nacht. [...]
Die neue, alte Weisheit
Nach langen, langen Jahren geduldigen Wartens war endlich es geglückt, die Weisheit wieder zu gebären, die schöne, ewige, immer dagewesene, verschollene und vergessene, die geheime, die doch offensichtlich stets vorhanden gewesen war, nur nicht gesehen, fast so, wie man den Wald nicht sieht vor lauter Bäumen und oft noch schlimmer: wie wenn der Ochs vorm Tore steht, gar wie ein Brett vorm Kopfe [...]
Der Fuchs
Es starb der Fuchs nicht, wie ihr glauben mögt, aus lauter Jux und Dollerei, so wie man auch das Denken nicht aufgibt nur zum Spaße.
Es war im geistigen Revier gerissen all das Kränkliche und Schwache. Der Zweifel starb durch der Erfahrung Kraft. Durch die Synthese wurde nun ersetzt der große Spalter, der alles teilte, bis es nicht mehr ging. [...]
Des Satans Himmelfahrt
Und während draußen durch die Nacht der Sandsturm tobte,
der Augen trübt und blind macht, bis das Denken fiebert,
spitzten die schwarzen Höllenhunde ihre Ohren,
denn ihnen war, als hätten sie aus anderer Welt,
der Welt des Tages, welcher niemals endet,
ein zärtlich Raunen und ein Wispern wahrgenommen, [...]
Der Ameisenhaufen
Ihr werdet es nicht glauben, doch geschah es!
Es träumte mir, ich wäre just gestorben.
Ich hatte ganz zufrieden in der Menschenwelt gelebt, erfahren, was das Leben bieten kann. Da kam ein Riesenvogel, der mich fraß. Er packte mich, dem Wurme gleich, mit seinem großen Schnabel, und abwärts ging es lebend durch den dunklen Schlund. Ich strampelte und schrie, umsonst. [...]
Helios' Herabkunft
Der große Helios ist unterwegs zur Erde!
Der unsichtbare Sonnengott schießt im Ferrari und mit Lichtgeschwindigkeit auf den Planeten zu, um dort zu landen!
Es ist schon zwanzigtausend Jahre her, dass er persönlich sich hinabbemühte.
Er lenkt normalerweise die Geschicke dieser Welt allein durch seinen Glanz, durch Eruptionen, durch Finsternisse und durch Sonnenflecken.
Doch irgendeine Störung ward im Weltgetriebe! [...]
Verhungert halb, schmeckt trockenes Brot wie Kuchen
Der Geist, verdorrt zur Theorie, lechzt nach dem Blute der Erfahrung, nach dem wahren Leben!
Was nützt das größte Wissen ohne Macht und was die Macht, die ohne Wissen lebt?
Ermüdend wirkt die ewige Wiederholung der Natur, das viele Kommen und das viele Gehen.
Man altert wohl aus lauter Langeweile und weil man weiß, dass alles bleibt, wie's ist.
Der Tod tritt irgendwann dann aus Erschöpfung ein, und müde legt man sich zur letzten Ruhe.
Verhungert halb, schmeckt trockenes Brot wie Kuchen [...]
Die zweite Hälfte des Käses
Des Tanzes müde durch die sieben Himmel
der Willkür und beliebiger Phantasmen
ließ sich die Kunst auf ihrem oft zerbrochenen,
doch immer wieder reparierten Stuhle nieder,
der auf dem Käsebrett des Ausdrucks stand,
dem einzig festen Boden, den sie hatte,
denn eine Pause war vonnöten, unbedingt! [...]
Das Tier im Menschen
Und auf der tiefsten Stufe fand ich höchstes Glück; für fünf Sekunden zwar nur, aber immerhin. Im Angesicht des Leides dieser Welt und der Zerteiltheit aller Dinge hier ist dieser kurze Rausch des Einsseins nicht zu unterschätzen und wird als Triebkraft allen Daseins anerkannt. [...]
Die Bombe und der Geist oder Jeder ist seines eigenen Geistes Schmied
Die Kraft des Geistes, wenn sie losgelassen, ist größer, als das Denkbild fassen kann.
Gelingt dem Menschen, wie er ist, sie zu entfesseln, durch Spaltung letzter Grundbausteine, fehlt ihm doch (und wird ihm immer fehlen) die Hand des weisen Wagenlenkers mit dem klaren Blick, der sein Gefährt mit Kraft vorantreibt auf der hellen Straße, die doppelspurig in die Weite führt. [...]
Die Engel auf der schiefen Bahn oder Der verschwundene Schatten
1. Engel: "Siehst du? Nur der 'Liebe Gott' kann die Schatten verschwinden lassen! Mit seinen Laserstrahlaugen sägt er sie einfach aus der Materie heraus!"
2. Engel: "Stimmt! Aber achte darauf, dass dir der goldene Reichsapfel, den er uns zugeworfen hat, nicht in das entstehende Loch fällt, sonst ist nicht nur der Schatten verschwunden, sondern auch die Macht, ihn wieder herbeizuschaffen." [...]
Das geistige Neuland
In Geistes Neuland bauten sie die Straße.
Dort, wo noch keines Menschen Fuß je hingeraten,
ward durch Unbeugsamkeit und reinen Willen
der Weg getrieben in das Unbekannte.
Das Land war leer und öde und der Boden steinig.
Ins Nichts ging's täglich tiefer ein paar Meter.
Da war kein Sinn und nicht Notwendigkeit.
Es winkten keine Preise, keine Ziele. [...]
Der Kampf ums täglich Brot ist antiquiert oder
Die drei Formen der Nahrung
Es sprach der Geist zu mir beim Abendbrot:
"Der Kampf ums täglich Brot ist antiquiert.
Man brauchte, wenn man wollte, nichts mehr essen.
Es langte, aus der Luft die Kraft zu schöpfen,
sofern man eins sich fühlte mit dem ganzen All.
Gäb’ Luft nicht her, was man zum Leben braucht,
berührte starke Tiere man und dicke Bäume
und bäte sie um etwas Lebenskraft,
damit man ihre Formen nicht zugunsten eigener Form
zerstören müsste, nur um selbst zu leben. [...]
Das glückliche Unglück oder Die Entstehung einer 'Mutatio Generalis'
In wildem Spiele durch die sieben Himmel jagend,
um eine Sonne streitend, leuchtend schön,
durchtobten einst der Engel zweie jauchzend
die transzendenten Weiten großen Geistes
im Freiheitsrausche und im Rausch des Glücks.
Und wie es geht bei unbedachtem Spiele,
wenn Leidenschaft hinweg reißt jede Grenze
und aus dem Spaß des Ernstes Fratze droht,
bemerkten fast zu spät die beiden Spieler,
dass lange schon den letzten Himmel sie verlassen
und nun am Abgrund einer gelben Schwefelwolke tobten. [...]
Im Auge des geistigen Sturmes
[...] In einer tiefen Nacht, ich glaub der längsten,
war ich im Sessel sitzend eingeschlafen,
mit offenen Augen, doch sie waren geschlossen,
das heißt, obwohl ich schlief, war wach der Geist
und blickte in das innere öde Land.
Zu dem Erstaunen war es nicht wie sonst ganz dunkel.
Ein Streifen Licht lag auf dem Horizonte,
als wenn sogleich ein neuer Tag begänne. [...]
Zweier Engel Tischgespräch oder Die Grenze der Heiligkeit
Auf dem Zenit, zur Mittagszeit,
ist Engelsspeisung, benedeit!
In einer Pause vom Gesang
erwartet man die Speis, den Trank:
Ambrosia zu Himmelsbrot
steht heut' im Speiseangebot.
Doch statt der Nahrung, wie man dachte,
senkt sich ein Bier herab, ganz sachte.
Ihm folgt ein großer Fleischwurstkringel. [...]
Das Henkersfrühstück
In tiefste Nacht versunken und in Schweigen,
von Unvermögen heimgesucht und Sinnentleerung,
als letzter aufgeführt der Menschenart,
als erster stehend auf der Abschussliste,
aus gutem Grund den Trost der Geistlichkeit verweigernd,
erwartet er mit kühlem Kopf den nächsten Morgen,
an dem noch vor des großen Lichts Erscheinen,
das Haupt vom Rumpf das schräge Messer trennt,
weil er gemordet hat - , das eigene Leben! [...]
Die Macht des Geistes
[...] "Des Geistes Spiegel kann das Nichts man nennen.
Wer vor ihm angelangt mit wachen Augen
es wagt, den Blick tief in ihn einzusenken
mit jenem Ziel, auf seinen Grund zu kommen,
der wird entdecken, dass es den nicht gibt!
Es dehnt das schwarze Leer sich unermesslich
und uferlos nach allen Seiten aus. [...]
Im Bilde sein
Begnadet, wer da lebt in inneren Welten!
Gar manchem wird des Geistes Bild versagt.
Ein schwarzer Vorhang hängt vorm dritten Auge,
der Stirn entbietet sich die Wand aus Stein.
So wird nach außen ganz der Blick gezwungen,
in jene Welt der Fakten, Messbarkeiten,
die hier für jeden gilt, ob arm, ob reich,
ob hoch gebildet oder stumpf und dumm.
Ich sage euch, ich bin hier nicht zu Hause.
Mein Reich ist nicht von dieser trüben Welt! [...]
Der Präsentierteller
Des Einsseins Freude fehlt dem Abgetrennten.
Zerteilung zeugt den Mangel, dieser Gier.
Es sehnt das Fleisch sich stets nur nach sich selber.
Die Schwäche sucht die Kraft und umgekehrt,
und Schuld heischt nach der Unschuld Reinheit immer.
Die schauert selig vor des Abgrunds Rachen,
weiß sie sich unbesudelt noch im Blute. [...]
Des Geistes bunter Hund
"He! Geist! Ich will bestimmt nicht klagen,
doch muss ich dir mal eines sagen:
Erst schrubbst du mich so blank und rein
(und das ist wirklich hundsgemein),
dass man vor weißem Hintergrund
mich nicht erkennt als einen Hund,
der förmlich seine Form verliert
und wie ein Geist das Dasein ziert,
geschrubbt bis dass er unsichtbar,
obwohl ein richt'ger Hund er war! [...]
Das Nichts und der Batman
In jene Kälte eisigen Verstehens,
in der das Blut gerinnt, die Skrupel fallen,
weil man begreift, wohin das Leben führt,
und wo bewussten Vorgriffs Macht anheim uns stellt,
den Tod sich selbst, gar anderen zu bringen,
in jene Kälte also und ins eisige Schweigen
des nackten Seins und der Alleinsamkeit,
kam unerwartet und aus heiterem Himmel
der allen wohlbekannte Batman angeflogen! [...]
Die Frage nach der wahren Person
Sie fuhren täglich in Gedanken in die Wüste,
der Krieger und sein absichtsloser Bruder,
in jenes Land, in dem kein Gras mehr wächst.
Dort starb das Hoffen und verging das Sehnen,
die beiden letzten Ketten an das Leben brachen.
Die Weisheit treibt die Sucher in die Dünen.
Die Wüste ist Symbol der Ewigkeit.
Der Treibsand birgt die ewigen Gesetze.
Erkenntnis frisst erkennend den Erkenner,
denn hinter allem steht, bewiesenermaßen,
das Nichts, das Aus, das Leer, die Aperson! […]
Die Tiefe des Ausdrucks ist ohne Grenzen
Wenn du erwartest, Schreckliches zu sehen und voller Furcht den Schritt setzt in den Nebel, der undurchdringlich und als Wand sich aufbaut, unverhofft und plötzlich, die Angst dir an die Gurgel greift mit kalter Hand, das Haar sich sträubt, der Atem stockt, [...]
Die gnostische oder psychische Liebe
In einem Traum erschien mir der Erlöser
und sagte zu mir, auf das Herz hinweisend:
"Mein Freundchen, höre, was ich dir jetzt sage!
Es geht uns alle an und trifft den Kern:
So einfach ist die Sache nicht mit jenem Ding,
das man die Liebe nennt. - Es gibt sie nicht auf Erden! [...]
Die Kunst, die alte Sau, und der weiße Hase
Der weiße Hase hat die Kunst, die alte Sau, endlich aufs Kreuz gelegt, mit Liebe gekettet und ihr auf seiner Kopulationsvorrichtung mal richtig gezeigt, was ein weißer Hase ist.
Da hat sie gegrunzt und gestöhnt und gerufen: "Liebster mein! Nur durch dich finde ich Erfüllung! Du musst ein Supra-Avantgardist sein!" [...]
Die Gi(e)raffen und die Musik des Geistes
Die Gi(e)raffen der Welt kommen zusammengelaufen und machen noch längere Hälse, als sie ohnehin schon haben, weil sie auch einmal sehen wollen, wie es auf der Ebene der SUPRA-AVANTGARDE aussieht, wo auf blanken Leinwänden eine so mitreißende Musik gemacht wird, dass einem Hören und Sehen vergeht [...]
Der Geistesblitz oder Voraussetzung zur Erlangung der Fähigkeit des Teletransports
Dort, wo einst die Götter wohnten,
fliegen Menschen durch die Lüfte.
Dort, wo man den Geist gepriesen,
sammeln sich Touristenscharen.
Dort, wo hohes Streben weste,
leben jetzt die grauen Ratten,
und es sind der Popen viele,
die sich hier gesund ernähren
in des Domes schwarzen Schatten. [...]
Der Gravitationsschock
In einem Lande festgefügter Werte
- es kann das deutsche Land gewesen sein -
geschah es eines Tages, dass die Häuser,
doch nur die unbezahlten, plötzlich alle schwebten.
Wenn die geringste Hypothek noch nicht beglichen,
verlor das Material, aus dem sie waren,
samt den Bewohnern das Gewicht, die Schwere. [...]
Die Sternstunde
Mit kühnem Geist und einer Braut im Arm
geriet im Laufe der Entwicklung ich an jenen Ort,
wo kosmischer Gesetze feste Formen
(frag keiner mich von wem, ich kann's nicht sagen)
in Unverrückbarkeit gegründet waren,
und zwar so tief, so absolut, so fest und starr,
dass dran zu rütteln völlig sinnlos war. [...]
Der Meister und sein Werk
[...] Sprach das Werk zu seinem Meister:
"Hast du mich bewusst erschaffen?
Oder soll ich etwas dreister
fragen: Lausten dich die Affen
als du Form mir gabst und Seele,
dass ich mich jetzt hier aus Stein,
dazu noch als Hund mich quäle
statt so schön wie du zu sein -
ebenbürtig deiner Macht,
selber mich entwickeln kann,
und das Herz im Leibe lacht,
weil ich so wie du bin dann?" [...]
Der gefallene Engel
Seht, der Engel ist gefallen,
aus den allerhöchsten Höhen,
denn als einziger von allen
wollte er die Erde sehen.
Schmerzensschreie, Lustgestöhne,
Lebensfreude und den Tod
wollte dieser Holde, Schöne;
nicht mehr dasein nur für Gott!
Und so hat er denn bekommen,
was sein Sehnen heiß begehrt;
hat gefragt nicht, hat genommen,
was ihm gar nicht angehört [...]
Die alte Sau, der große Keiler
Er ist ein Schwein! Er hat die Welt gespalten!
In Gut und Böse, lebend oder tot.
Er schuf die Zeit, das Gestern und das Morgen,
im flücht‘gen Heut des Daseins schwankend Grund.
Er schuf den Lärm des Lebens in der Totenstille,
das Übermaß in sinnentleerter Form.
Er ist, bei Gott, ein Schwein, die alte Sau, der Keiler,
der alles spaltet in ein Für und Wider. [...]
Brot und Kuchen
[...] Ein armer Hund, der Mensch, vom Geist durchdrungen,
der, Grenzen brechend, diesen Wicht erfasst
und ihn emporhebt in die eigenen Sphären,
bevor Natur in ihm ein Instrument erschaffen,
das ihn befähigt, selbst wenn Gott ihm nahte,
Gelassenheit und Ruhe zu bewahren.
Der wird der Größte sein im Angesicht der Sonne,
der sich im Stoff als nichts Besondres sieht.
Dem wird das Brot zuteil, was Kunst verschenkt,
der hinter ihr vom süßen Kuchen weiß.
Die Vision
In einem Zustande war es gewesen,
der schwer zu beschreiben dem zeugenden Geiste,
der Seele geboten nicht häufig, nur selten.
Da sah ich im dunkelsten denkbarer Räume
das schöne, das weiße, geflügelte Pferd!
Den Pegasos sah ich auf einer Maschine,
die Winde erzeugend, sich schwenkend bewegte.
Umkreist war derselbe von suchenden Augen,
auf ihn gerichtet den sehnenden Blick. [...]
MU oder Die himmlische Kuh
Woher ist gegeben die Milch des Erkennens?
Nährt Satan den Gott durch die himmlische Kuh?
Wo findet die Psyche den Grund jenes Brennens
des Hungers nach Wissen und der Macht noch dazu?
Ich warf in die Schale der Waage das Leben,
zu wissen, warum und woher und wohin?
Da ward mir die Milch wie dem Mondkalb gegeben
und klar vor die Augen geführet der Sinn [...]
Sagt ja zum Leben
“Sagt ja zum Leben!“ ruft die Maus
und räumt den offnen Kühlschrank aus,
dieweil wir ernsthaft grad erwägen,
bewusst das Leben abzulegen,
weil dieses, völlig sinnentleert,
ins Totenreich schon jetzt gehört.
Denn Erdbeern her, Kondensmilch hin,
die Sinneslust macht nicht den Sinn,
den wir gesucht ein Leben lang,
bis dass es in Verzweiflung sank,
und wir nun, wie gesagt, erwägen,
durch Selbstmord dieses abzulegen [...]
Dauer-Weihnachten im Nichts oder Auf dem Wege zur wahren Person
Aus heitrem Himmel leerer Ewigkeit,
ins unbewegte, grenzenlose Sein,
brach unerwartet und zur Weihnachtszeit
ein Bild von oben als Vision herein:
Der Torso eines Weibes, riesengroß!
Mit Brüsten fest und rund und straff und schön!
Und einer Schlange, die zu ihrem Schoß
sich ringelnd wand, war tief im Trance zu sehn! [...]
Dimensionsverschmelzung oder Raucht nicht so viel, sondern esst lieber Mohrrüben
Neunfache Dimensionsverschmelzung zwischen der zweiten und dritten Dimension zum Zwecke der Erschaffung einer neuen, größeren Wirklichkeit ursächlichen Charakters mit der Möglichkeit wissent- und willentlicher Einflussnahme auf determinierte, schicksalshafte, metaphysische Gegeben-heiten, [...]
Das Göttliche Kind
Vom Fleisch umgeben
schläfet die Seele
im erwachenden Leben,
auf dass sie sich quäle,
hervor aus dem Blute,
dem magischen Saft,
reckt sich die Gute
mit all ihrer Kraft,
um gr ößer zu werden,
als Fleisch es je kann,
so steht sie auf Erden
ihre Frau, ihren Mann,
und doch bleibt sie immer,
das weiß sie genau,
im Fleisch und noch schlimmer:
zutiefst eine Sau. [...]
Der Hauch des Geistes
[...] Durch die Nacht der Welt gezogen,
kam ein Hauch aus Geistes Sphären,
der die Dunkelheit bewogen,
hin zum Lichte sich zu kehren
welches jenseits der Erscheinung
und des Nutzens der Erkenntnis,
dabei bar ein jeder Meinung,
rückhaltlos, wie ein Geständnis
oder eine Offenbarung,
den Zusammenhang erklärte
und die Einsicht zur Erfahrung
machte und als wahr bewährte:
unvergleichlich, gut und schön,
wie die Venus anzusehn! [...]
















































































