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Der Kampf ums täglich Brot ist antiquiert oder
Die drei Formen der Nahrung

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Der Kampf ums täglich Brot ist antiquiert oder Die drei Formen der Nahrung
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Der Kampf ums täglich Brot ist antiquiert oder
Die drei Formen der Nahrung

Objekt, div. Materialien, 40x 40x 25 cm

Der Kampf ums täglich Brot ist antiquiert oder
Die drei Formen der Nahrung

Es sprach der Geist zu mir beim Abendbrot:
"Der Kampf ums täglich Brot ist antiquiert.
Man brauchte, wenn man wollte, nichts mehr essen.
Es langte, aus der Luft die Kraft zu schöpfen,
sofern man eins sich fühlte mit dem ganzen All.
Gäb’ Luft nicht her, was man zum Leben braucht,
berührte starke Tiere man und dicke Bäume
und bäte sie um etwas Lebenskraft,
damit man ihre Formen nicht zugunsten eigener Form
zerstören müsste, nur um selbst zu leben.

Der Grund des Todes materieller Körper
ist in der Nahrung ganz allein zu suchen:
Wer Leben nimmt, dem wird auch seins genommen!
Gerechtigkeit ist immer ohne Gnade,
selbst wenn im Zwange man die Tat begeht.
Nun heult ihr auf, ihr Zähne, Zungen, Gaumen,
ihr Speiseröhren, Mägen und ihr Därme?
'Unmöglich!', ruft der After. 'Was der sagt!
Es ist natürlich, andere aufzuessen
und so an ihre Lebenskraft zu kommen!’
Und alle stimmten ein:
‚Die Welt ist trüb genug und trostlos auch,
um auf das Schönste einfach zu verzichten.
Wie sollen sich die Formen denn vereinen,
wenn nicht durchdringend oder sich verzehrend?
Friss oder stirb, heißt das Naturgesetz!
Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!'

So ruft ihr laut, und was ihr ruft ist wahr.
Und keiner kann an dieser Wahrheit rütteln.
So bleibt es, wie es ist: Der Mensch ist sterblich,
und keiner wagt an anderes zu denken!"

So sprach der Geist zu mir beim Abendbrot.
Ich fragte ihn: "Was schlägst du vor?
Gern würde ich Unsterblichkeit erlangen!
Wenn's ginge, auch auf Nahrung ganz verzichten.
Doch knurrt der Magen mir, der Darm rumort.
Ich werde krank und schwach, wenn ich nichts esse.
Es wühlt der Hunger schmerzend in den Eingeweiden."

Er lächelte mich an und sprach erklärend:
"Weil dir das Instrument noch fehlt, die Lebenskraft
direkt aus ihrer Unermesslichkeit zu schöpfen."
"Wie das?", gab ich zurück. "Und woher nehmen?"
Er lächelte noch immer und er sagte:
"Aus der Erkenntnis, dass du's selber bist,
den du mit Lust verzehrst, um eins zu sein,
und so zu leben von des anderen Tode."

So sprach der Geist zu mir beim Abendbrot.
Ich staunte und ich staunte lange.
Dann tat ich, wie geheißen. Es schien logisch.
So sprach ich denn zum Brote: 'Ich bin du',
bevor ich's brach und dankend dann verzehrte.
Und siehe da! - Es ward der Leib des Herrn!
Er gab sich mir, wann immer ich es wollte!
Der Kampf ums täglich Brot war jäh beendet.
Ich esse nur noch halb so viel wie früher
und sauge Kraft den dicken Menschen ab
und bin gar doppelt stark dabei geworden,
und hundertfach wuchs meines Geistes Kraft.
Der Hunger aber nahm den Hut und ging davon,
wie der Gerichtsvollzieher geht, bei leeren Taschen.
Mir aber ward zuteil die Kraft des Alls!

BĀLAVAT

 
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