Die Erschaffung der Schäfchenwolken
"Mutter!" rief das göttliche Kind, "nun weiß ich endlich, wie Schäfchenwolken hergestellt werden. Der Vater hatte es mir nicht sagen wollen, als ich ihn danach fragte. Er war der Meinung, dass ich es selbst herausfinden solle. Ist das nicht gemein von ihm?"
"Nein, nein", antwortete Maria und schüttelte den Kopf, "das ist es nicht, mein liebes Kind. Es ist die Methode des Vaters, dich dazu anzuregen, so zu werden wie er: ein Schöpfer des Himmels und der Erde." [...]
Der immerwährende Tag
Als endlich das Gefäß leer war, welches das Leben der natürlichen Motive beherbergt hatte, und der Stillstand des Denkens erreicht war, den man Entwerden nennt, öffnete sich geräuschlos und unerwartet die undurchdringliche Nacht des Todes und der stummen Verneinung, und durch einen Spalt von wenigen Zentimetern wurde das Licht des immerwährenden Tages sichtbar, [...]
Die entfesselte Wahrheit
Wer wird es wagen, Wahrheit, dich,
die du an Stoff gefesselt, zu befreien
und zu behaupten, fertig und vollendet
sei nun die Körperform und an der Reihe,
den Geist, den schwachen und zurückgebliebenen,
verkümmerten, an neuen Tropf zu legen,
damit ihm aufgeht, was so fest verschlossen,
und Einsicht ihm gewährt wird durch Erfahrung? [...]
Der Nachtindianer
"Wir haben noch ganz andere Möglichkeiten, unseren Willen durchzusetzen", sagte der Häuptlingssohn der Nachtindianer, nachdem er die Weihnachtsmänner abgestaubt hatte.
Diese schimpften und fluchten zwar, als sie enteignet waren, und verloren die Köpfe, aber der Nachtindianer sprach zu ihnen:
"Freunde, der Eigentumsbegriff muss völlig neu definiert werden. [...]
Der Durchbruch oder Die fünfte Dimension
Es ward der Punkt, die Fläche, dann der Raum. Als der sich in Bewegung setzte, entstand die Zeit, die physische, die, die wir alle kennen, die unerbittliche, mit der man strafen kann und morden, nach der man misst und sich bezahlen lässt:
Zeitbomben-Zeit, Glücksmessungsbarometer; denn Zeit ist Geld und Jugend, Alter, und mit der Zeit wächst sogar Gras darüber. [...]
Das Schäferstündchen in der Lüneburger Heide
Ich kam ans Ende dieser Galaxie, auf meiner Suche nach dem höchsten Punkte, der Einsicht heißt und Wissen von den Dingen, ihrem Zweck und Nutzen, Plan und Ziel, und glaubte, meinen Augen nicht zu trauen: Da war die Lüneburger Heide! Wie man sie kennt von Bildern oder Reisen. [...]
Die neue, alte Weisheit
Nach langen, langen Jahren geduldigen Wartens war endlich es geglückt, die Weisheit wieder zu gebären, die schöne, ewige, immer dagewesene, verschollene und vergessene, die geheime, die doch offensichtlich stets vorhanden gewesen war, nur nicht gesehen, fast so, wie man den Wald nicht sieht vor lauter Bäumen und oft noch schlimmer: wie wenn der Ochs vorm Tore steht, gar wie ein Brett vorm Kopfe [...]
Des Satans Himmelfahrt
Und während draußen durch die Nacht der Sandsturm tobte,
der Augen trübt und blind macht, bis das Denken fiebert,
spitzten die schwarzen Höllenhunde ihre Ohren,
denn ihnen war, als hätten sie aus anderer Welt,
der Welt des Tages, welcher niemals endet,
ein zärtlich Raunen und ein Wispern wahrgenommen, [...]
Der Ameisenhaufen
Ihr werdet es nicht glauben, doch geschah es!
Es träumte mir, ich wäre just gestorben.
Ich hatte ganz zufrieden in der Menschenwelt gelebt, erfahren, was das Leben bieten kann. Da kam ein Riesenvogel, der mich fraß. Er packte mich, dem Wurme gleich, mit seinem großen Schnabel, und abwärts ging es lebend durch den dunklen Schlund. Ich strampelte und schrie, umsonst. [...]
Helios' Herabkunft
Der große Helios ist unterwegs zur Erde!
Der unsichtbare Sonnengott schießt im Ferrari und mit Lichtgeschwindigkeit auf den Planeten zu, um dort zu landen!
Es ist schon zwanzigtausend Jahre her, dass er persönlich sich hinabbemühte.
Er lenkt normalerweise die Geschicke dieser Welt allein durch seinen Glanz, durch Eruptionen, durch Finsternisse und durch Sonnenflecken.
Doch irgendeine Störung ward im Weltgetriebe! [...]
Verhungert halb, schmeckt trockenes Brot wie Kuchen
Der Geist, verdorrt zur Theorie, lechzt nach dem Blute der Erfahrung, nach dem wahren Leben!
Was nützt das größte Wissen ohne Macht und was die Macht, die ohne Wissen lebt?
Ermüdend wirkt die ewige Wiederholung der Natur, das viele Kommen und das viele Gehen.
Man altert wohl aus lauter Langeweile und weil man weiß, dass alles bleibt, wie's ist.
Der Tod tritt irgendwann dann aus Erschöpfung ein, und müde legt man sich zur letzten Ruhe.
Verhungert halb, schmeckt trockenes Brot wie Kuchen [...]
Die zweite Hälfte des Käses
Des Tanzes müde durch die sieben Himmel
der Willkür und beliebiger Phantasmen
ließ sich die Kunst auf ihrem oft zerbrochenen,
doch immer wieder reparierten Stuhle nieder,
der auf dem Käsebrett des Ausdrucks stand,
dem einzig festen Boden, den sie hatte,
denn eine Pause war vonnöten, unbedingt! [...]
Das Tier im Menschen
Und auf der tiefsten Stufe fand ich höchstes Glück; für fünf Sekunden zwar nur, aber immerhin. Im Angesicht des Leides dieser Welt und der Zerteiltheit aller Dinge hier ist dieser kurze Rausch des Einsseins nicht zu unterschätzen und wird als Triebkraft allen Daseins anerkannt. [...]
Die Engel auf der schiefen Bahn oder Der verschwundene Schatten
1. Engel: "Siehst du? Nur der 'Liebe Gott' kann die Schatten verschwinden lassen! Mit seinen Laserstrahlaugen sägt er sie einfach aus der Materie heraus!"
2. Engel: "Stimmt! Aber achte darauf, dass dir der goldene Reichsapfel, den er uns zugeworfen hat, nicht in das entstehende Loch fällt, sonst ist nicht nur der Schatten verschwunden, sondern auch die Macht, ihn wieder herbeizuschaffen." [...]
Das glückliche Unglück oder Die Entstehung einer 'Mutatio Generalis'
In wildem Spiele durch die sieben Himmel jagend,
um eine Sonne streitend, leuchtend schön,
durchtobten einst der Engel zweie jauchzend
die transzendenten Weiten großen Geistes
im Freiheitsrausche und im Rausch des Glücks.
Und wie es geht bei unbedachtem Spiele,
wenn Leidenschaft hinweg reißt jede Grenze
und aus dem Spaß des Ernstes Fratze droht,
bemerkten fast zu spät die beiden Spieler,
dass lange schon den letzten Himmel sie verlassen
und nun am Abgrund einer gelben Schwefelwolke tobten. [...]
Im Auge des geistigen Sturmes
[...] In einer tiefen Nacht, ich glaub der längsten,
war ich im Sessel sitzend eingeschlafen,
mit offenen Augen, doch sie waren geschlossen,
das heißt, obwohl ich schlief, war wach der Geist
und blickte in das innere öde Land.
Zu dem Erstaunen war es nicht wie sonst ganz dunkel.
Ein Streifen Licht lag auf dem Horizonte,
als wenn sogleich ein neuer Tag begänne. [...]
Zweier Engel Tischgespräch oder Die Grenze der Heiligkeit
Auf dem Zenit, zur Mittagszeit,
ist Engelsspeisung, benedeit!
In einer Pause vom Gesang
erwartet man die Speis, den Trank:
Ambrosia zu Himmelsbrot
steht heut' im Speiseangebot.
Doch statt der Nahrung, wie man dachte,
senkt sich ein Bier herab, ganz sachte.
Ihm folgt ein großer Fleischwurstkringel. [...]
Die Frage nach der wahren Person
Sie fuhren täglich in Gedanken in die Wüste,
der Krieger und sein absichtsloser Bruder,
in jenes Land, in dem kein Gras mehr wächst.
Dort starb das Hoffen und verging das Sehnen,
die beiden letzten Ketten an das Leben brachen.
Die Weisheit treibt die Sucher in die Dünen.
Die Wüste ist Symbol der Ewigkeit.
Der Treibsand birgt die ewigen Gesetze.
Erkenntnis frisst erkennend den Erkenner,
denn hinter allem steht, bewiesenermaßen,
das Nichts, das Aus, das Leer, die Aperson! […]
Die Gi(e)raffen und die Musik des Geistes
Die Gi(e)raffen der Welt kommen zusammengelaufen und machen noch längere Hälse, als sie ohnehin schon haben, weil sie auch einmal sehen wollen, wie es auf der Ebene der SUPRA-AVANTGARDE aussieht, wo auf blanken Leinwänden eine so mitreißende Musik gemacht wird, dass einem Hören und Sehen vergeht [...]
Der gefallene Engel
Seht, der Engel ist gefallen,
aus den allerhöchsten Höhen,
denn als einziger von allen
wollte er die Erde sehen.
Schmerzensschreie, Lustgestöhne,
Lebensfreude und den Tod
wollte dieser Holde, Schöne;
nicht mehr dasein nur für Gott!
Und so hat er denn bekommen,
was sein Sehnen heiß begehrt;
hat gefragt nicht, hat genommen,
was ihm gar nicht angehört [...]
MU oder Die himmlische Kuh
Woher ist gegeben die Milch des Erkennens?
Nährt Satan den Gott durch die himmlische Kuh?
Wo findet die Psyche den Grund jenes Brennens
des Hungers nach Wissen und der Macht noch dazu?
Ich warf in die Schale der Waage das Leben,
zu wissen, warum und woher und wohin?
Da ward mir die Milch wie dem Mondkalb gegeben
und klar vor die Augen geführet der Sinn [...]
Sagt ja zum Leben
“Sagt ja zum Leben!“ ruft die Maus
und räumt den offnen Kühlschrank aus,
dieweil wir ernsthaft grad erwägen,
bewusst das Leben abzulegen,
weil dieses, völlig sinnentleert,
ins Totenreich schon jetzt gehört.
Denn Erdbeern her, Kondensmilch hin,
die Sinneslust macht nicht den Sinn,
den wir gesucht ein Leben lang,
bis dass es in Verzweiflung sank,
und wir nun, wie gesagt, erwägen,
durch Selbstmord dieses abzulegen [...]
Dimensionsverschmelzung oder Raucht nicht so viel, sondern esst lieber Mohrrüben
Neunfache Dimensionsverschmelzung zwischen der zweiten und dritten Dimension zum Zwecke der Erschaffung einer neuen, größeren Wirklichkeit ursächlichen Charakters mit der Möglichkeit wissent- und willentlicher Einflussnahme auf determinierte, schicksalshafte, metaphysische Gegeben-heiten, [...]
Röhrender Hirsch (Zwölfmal der Anfang)
In tiefem Traume der Vergessenheit
des wachen Denkens reglos leerer Stille
des Berges, Waldes und des Wassers Einsamkeit,
bespannt von Himmels makelloser Bläue,
erscholl ein Röhren aus des Hirsches Schlund,
der dort, in den gedachten innren Räumen,
die aus des Geistes Imagination entspringen,
sich sehnte, nach der dritten Dimension [...]
Es gibt immer wieder zwingende Gründe, voll in die Bremsen zu steigen
Selbst wenn wir uns exterritorialisieren könnten, gäbe es für den größten, schnellsten und machtvollsten Geist - nicht nur wegen der schöpferisch notwendigen Selbstbegrenzung - immer wieder zwingende Gründe, voll in die Bremsen zu steigen, [...]
Batman und das Nein oder
Im Anblick des sich selbst in Erscheinung setzenden Axioms der 1 fallen alle schwarz-weiß-Denker tot um
Wie eine Wand des Schweigens steht das Nein
vor, hinter, unter, über selbst dem größten Ja.
Die Logik spricht: "So muss es nun mal sein!"
Sie sagt die Wahrheit. Dazu ist sie da. [...]
Selbsttätige Imagination
Ein Bild des Geistes erschien mir vor geschloss‘nen Augen:
Die Hand des Buddha, marmorweiß und schön,
war auf dem schwarzen Grund des Inneren klar zu sehen.
Aus dunkler Leere, leuchtend, leicht von oben,
bot einen Bonbon mir die heil‘ge Hand,
als ein Geschenk des Geistes von hoch oben. [...]
10% vom Eisberg oder Wenn der Prophet nicht zum Eisberg kommt, kommt der Eisberg zum Propheten
Es gibt immer irgendwo zwei Weihnachtsmänner, denen selbst nichts einfällt, die sich jedoch für kreativ halten, obwohl sie sich lediglich über die Ergüsse anderer hermachen und diese ‚kreativ‘ zu verwerten trachten […]
Anrufung der Mona Lisa, der - Para-Maya -
Oh, Mona Lisa!
Wärest du meine Mutter,
hättest du mich hervorgebracht,
wäre aus mir nichts Vernünftiges geworden.
Die Transrationalität hätte mich heimgesucht
und sich meiner bemächtigt;
ein König der Übervernunft
wäre aus mir hervorgegangen,
ein irrationales und transzendentes Wesen
mit unvorhersehbarem, sprunghaftem Verhalten
wäre in mir herangewachsen, [...]
Der Himmel lacht noch, wenn wir alle weinen
Der Himmel lacht noch, wenn wir alle weinen. Er kennt das Maß der Freude nicht, das für uns gilt.
Er hat den Überblick noch nie verloren! Er weiß, woher wir kommen und wohin wir gehen. Und dieses Wissen stimmt ihn auf die Dauer heiter, selbst wenn er mit dem Untergange spielt und droht. [...]
Geistiger Raum
Der innere Raum unterscheidet sich vom äußeren durch nichts. Beide sind dreidimensional und lassen in sich eine vierte und weitere Dimensionen zu.
Beide sind statisch und dehnen sich in die Unendlichkeit aus.
Belegt ist der innere Raum von einer subjektiven Objektivität und der äußere umgekehrt. [...]
Qualitätslosigkeit / Gespiegelter Sumo-Ringer
Ein Kunstgriff – wahrlich –
war mir just gelungen!
Die eigene Dummheit stellt’ ich
spiegelnd vor mich hin.
Damit verdoppelte sich zwar
die Kraft des Stumpfsinns,
auch ihr Restvermögen,
doch band ich beide fest
und aneinander,
unlösbar von dem eignen Spiegelbild.
Da stand sie nun in ihrer ganzen Pracht.
Geballte Ladung, konzentriert im Nein.
Im Doppelnein des Garnichts eingefangen.
Die blinden Augen blöd in sich versenkt,
ihr Dasein zur Vorhandenheit erhoben
und zur Erscheinungslosigkeit die Existenz.
Der feste Punkt, von dem die Geister schwärmen,
ward wie im Spiel ins nackte Sein gebracht,
ein Fundament des freien Geist’s erschaffen,
zu tun und lassen,
was er will und kann.
Kunstüberunterschreitung
Das Maß zerbrochen, das die Kunst uns gibt, zu Gunsten einer Freiheit ohne Grenzen, die aus Erkenntnis wächst ins Uferlose, Zusammenhang erschaffend, wo sonst Trennung ist; dort trat er ein ins Reich des Transzendenten, in feine Übersüße heiliger Ekstasen, die Seelen läutern bis in tiefsten Grund. [...]















































