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BĀLAVAT liest

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Das Original, bestehend aus div. Materialien auf Leinwand (100 x 120 cm), existiert nicht mehr. 

Es ist nur noch als NFT erhältlich.

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"Schau nur, Cherub! Die Noten verwandeln sich in Zahlen. Himmlische Gesänge werden zur geometrischen Reihe. Alle Töne verdoppeln sich.
Aus 1 wird 2, aus 2 wird 4, aus 4 wird 8.
Oh Gott, oh Gott! Das wird meine an freie Harmonien gewöhnte Stimme nicht mitmachen. Was sich der Komponist nur gedacht hat? Schau nur, Cherub!"
Cherub nahm den Streifen in die Hand, sah sich die Zahlenreihe interessiert an und sagte:
"Du machst dir unnötig Sorgen, Seraph. Das ist kein Lied des Himmels. Irdische Töne sind es. Es ist wieder Weihnachten, und die Menschen versuchen in dieser Zeit besonders, es der Unendlichkeit des Himmels gleichzutun und sich seiner Unermesslichkeit durch permanentes Wachstum und Verdopplung anzugleichen.
Da das Jesulein wenig Freude auf die Welt gebracht hat, denn diese entsteht doch, wie du weißt, aus Erkenntnis mystischer Zusammenhänge und der damit verbundenen Macht, versucht man nun, die fehlenden geistigen Werte durch quantitative Ausdehnung physischer und vitaler Freude zu ersetzen, was zum Teil auch gelingt, leider aber auf Kosten des ganzen Gefüges."
"Das ist ja schrecklich", sagte Seraph. "Sie ahnen ja gar nicht, wie schnell sie ans Ende gelangen werden! Im begrenzten irdischen Raum ist die Ausdehnung ins Unendliche doch nur qualitativ möglich!"
"Sage es ihnen", sagte Cherub, "und sie werden dich auslachen."
"Ich habe eine Idee", sagte Seraph. "Wir überschütten die eine Hälfte der Menschheit mit dem Überfluss, so dass sie darin zu ersticken droht, überlassen sie der daraus resultierenden Dekadenz und entziehen der anderen Hälfte jegliche Lebensgrundlage. Vielleicht bringt sie das zur Hinterfragung ihrer jetzigen Werte."
"Gut", sagte Cherub. "Das machen wir; aber schnell, sonst kommen wir zu spät, den Herrn des Universums mit unseren Gesängen zu loben und zu preisen und ihm für unseren Ideenreichtum zu danken."

BĀLAVAT

 
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