Der große Käse

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BĀLAVAT liest

Der große Käse
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Der große Käse

div. Materialien auf Leinwand 160x120 cm

Der große Käse

Nun stelle man sich vor, der ganze Kosmos wäre nur ein Käse und jedes Loch in ihm ein ganzes Weltenall. Und wie man weiß, entstehen Käselöcher durch die Blähungen von kleinsten Lebewesen, den Bakterien.
Und denkt man weiter, dass im Angesicht des Ganzen wir nicht viel größer sind als die Erwähnten, und weiß man doch, dass sich das Weltall dehnt, so könnte man zu Recht erschrecken bei der Weiterführung des so begonnenen Gedankens.
Denn wenn die Löcher größer werden (und sie tun es !), dann kommt unweigerlich die Zeit, wo sie zusammenstoßen.
Trifft nun ein großes auf ein kleines Loch, wird stets das kleinere absorbiert, gibt auf die Eigenheit zugunsten seines großen Bruders. Wenn's hochkommt, weil Qualität dem Kleineren zu eigen, kommt leicht es zur Symbiose. Zum Kampfe kommt es, sind sie ebenbürtig.
Ein Urgesetz! - Und in Granit geschlagen! Ein jeder kennt es, hat davon gehört, es gar erlebt, erlebt es heute noch.

Und wenn der Käse dünn wird zwischen diesen Löchern, durchsichtig schon, verschwommen zwar noch, doch ahnungsvoll der größere Nachbar schon zu sehen und auch zu fühlen, dann wird es Zeit, sich vorzubereiten auf den Moment des Eintritts in ganz andere Bedingungswelten, in denen die Gesetze brechen, die man bisher kannte, ungültig werden, nichtig auch.
Ein solches Ding steht, Leute, kurz bevor! Ich hab' das Riesenloch im Traum gesehen, das sich uns unaufhaltsam nähert - und wir uns ihm!
In fünfzig, hundert Jahren etwa ist's soweit. Da wird die Menschheit abgelöst von größeren Wesen! Und nur die Nützlichkeit, die wir besitzen, lässt uns überleben.
Zum Haustier dieser Herrenwesen wird der Mensch gemacht, wird Pfötchen geben, geben müssen, wird gemolken. Geschlachtet wird er auch und aufgegessen. Gebraucht wird er zu hunderttausend anderen Zwecken.
Aus seiner Haut wird Kleidung für die Götter hergestellt, aus seinem Fett, nach dem Laborversuch, Kosmetik. Und um sein Fleisch schön weiß und zart zu halten, wird genmutiert er und in Dunkelheit gemästet. Aus seiner Leber macht man Insulin,
aus seinen Knochen feine Seife. All das wird ihm zuteil, was einst dem Tier er tat.
Man jagt ihn durch die Wälder zum Vergnügen. Man stopft ihn aus und hängt ihn an die Wand. Man züchtet ihn zu den skurrilsten Formen und lässt ihn gar sich selber dann noch fressen.
Die Schönsten nur lässt man in die Paläste, nimmt mit sie in die weichen Götterbetten, befriedigt sich an ihnen zur Hygiene und jagt sie fort, wenn einmal sie versagen.
Es ist beschlossene Sache, was ich sage, und unvermeidbar ist es, was da droht.
Es gibt nur einen einzigen Weg, daran vorbeizukommen: den Menschen abzulegen und selbst ein Gott zu werden!

Indessen reift der Käse, reift die Zeit und hoffentlich - es ist fürwahr zu wünschen - reift auch der Mensch heran, sich selbst zu überschreiten.

BĀLAVAT