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Der weiße Hengst

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BĀLAVAT liest

Der weiße Hengst
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Der weiße Hengst

div. Materialien auf Leinwand, elektrifiziert, 100 x 80 cm

Der weiße Hengst

Drei Frauen, Mädchen noch, vom Strande,
die sich in heißen Dünen sielen wie die Schlangen,
gerieten beim Spaziergang in das Landesinnere,
an ein verfallenes Schloss mit offenen Toren.
Sie traten, von der Neugier angetrieben,
auf nackten Sohlen in die hohen Räume.
Doch als sie, einfach wie sie waren,
aus Fleisch und Blut, gefüllt mit prallem Leben,
sich in den Polstern toter Adelswesen räkelnd,
von den bisher erfahrenen Lüsten sprachen
und, die vergleichend, ihre Liebe maßen,
die sie verband durch ihre heiße Glut,
da brach mit Krachen unterm Tisch hervor
ein weißer Hengst, gewaltig und laut schnaubend.
Es hoben sich die Möbel in die Lüfte!
Die Frauen blieben wie versteinert sitzen;
der Schreck zu groß, um drauf zu reagieren.
Zu langsam auch das Denken, zu erfassen.
So ging's nach oben samt besagtem Mobiliar.
Zwar fielen Kannen, Tassen, Teller jäh vom Tische,
sie selber aber sanken nicht nach unten,
wie man vermuten könnte auf der Logik Sockel.
Doch gab es den hier nicht und nichts zu denken:
Die Frauen schwebten frei im Raum herum!
Die Fakten sprachen nackt und voll Gewalt!
Es rief der Hengst wild schnaubend zu den Frauen:
"Schweigt, Erdentöchter, nur aus Fleisch und Blut!
Das Feuer eures Sehnens fehlt den Denkern!
Wo ist ein Geist, der brennend Wahrheit sucht?
Wo fordert einer, wie ihr Liebe, die Erkenntnis?
Der soll berührt sein bis zum tiefsten Grund!"

Dann packte sich der Hengst die heißen Frauen.
Sie liegen heute in den Wochenbetten.

Mir aber, dem vor schwarzem, leeren Spiegel
und ungewollt dazu das Bild im Geist erschien,
ward in Sekundenschnelle beigebracht,
dem Willen dieses Hengstes nachzugeben
und, auf ihm reitend, wie vom Wind getragen,
das eine mit dem anderen zu verbinden,
bis dass es eins war, wie beim Liebesakt.

BĀLAVAT

 
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