Der Hase im Überfluss

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BĀLAVAT liest

Der Hase im Überfluss
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Der Hase im Überfluss

div. Materialien auf Leinwand 120 x 160 cm

Der Hase im Überfluss

Hab alles, was das Herz begehrt,
und noch viel mehr dazu.
Hab von der Welt mich abgekehrt,
für meiner Seele Ruh.
Nun sitz ich in der Einsamkeit,
in Gottes weiter Flur,
als Wesen, das sich selbst befreit,
doch selber leider nur.
Ich bin der Hase ‘Sorgenlos‘,
weil ich dem Fuchs entrann,
und diesem nicht alleine bloß,
nein, auch dem Jägersmann.
Ich hab das Füchslein reingelegt;
es war fürwahr nicht leicht.
Die Kugel hat ihn weggefegt,
die sonst wohl mich erreicht.
Frag keiner mich, wie es geschah:
Ich lief zum Fuchse hin,
der, als er mich ihm nahen sah,
sich dachte: “Welch Gewinn!
Ich brauche mich nicht mehr zu mühn;
dort kommt mein Abendbrot!“
Da biss er schon ins Gras, so grün.
Ein Schuss! - Und er war tot.
Der Jägersmann, durch Waidmanns Glück
erregt und unbedacht,
lief schnell, zu sehn das Meisterstück,
das er so leicht vollbracht.
Da fiel er über einen Stein,
der dicht am Abhang lag
und den er nicht, im Dämmerschein,
gesehen haben mag.
Man hat von ihm nichts mehr gehört,
als seinen Todesschrei.
Es ward der Jägersmann zerstört,
die große Jagd vorbei.

Drum sitz ich hier auf dieser Bank
im großen Überfluss,
und denke bei mir: Gott sei Dank,
dass alles kommt, wie‘s muss!
Das Glück zu teilen wünsch ich mir
aus tiefstem Herzensgrund.
Egal mit wem. - Ja auch mit dir!
Selbst mit des Jägers Hund!
Der, wie gesagt, den Herrn verlor,
der doch sein Leben war,
und dem er ewge Treue schwor,
wie ich dem Geiste -, klar?

BĀLAVAT