Der Meister und sein Werk

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Der Meister und sein Werk
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Der Meister und sein Werk

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Der Meister und sein Werk

Schuf ein Meister einst auf Erden
einen Hund aus Marmorstein,
sprach: "Ein Meisterwerk soll's werden
und lebendig obendrein."
Mit dem Meißel und dem Hammer
schlug er auf das Material
und es flogen durch die Kammer
Staub und Brocken ohne Zahl.
Doch mit Geistes klarem Wollen
lenkend schöpferisch Geschehen
schuf er einen Hund, den tollen,
so, wie wir ihn vor uns sehen.

Sprach das Werk zu seinem Meister:
"Hast du mich bewusst erschaffen?
Oder soll ich etwas dreister
fragen: Lausten dich die Affen
als du Form mir gabst und Seele,
dass ich mich jetzt hier aus Stein,
dazu noch als Hund mich quäle
statt so schön wie du zu sein -
ebenbürtig deiner Macht,
selber mich entwickeln kann,
und das Herz im Leibe lacht,
weil ich so wie du bin dann?"

Sprach der Meister zu dem Hunde:
"Deine Fragen sind berechtigt.
Doch ich selbst - vernimm die Kunde -
bin bei weitem nicht so mächtig
wie du denkst und denken musst,
bin, wie du, mir überdrüssig.
Dich erschuf ich nur aus Frust.
Wir sind beide überflüssig.
Hab, wie's ging, mein Werk getan.
Mehr war nicht herauszuholen,
wie man an dir sehen kann,
und nun schweige! - Gott empfohlen!"

Sprach das Werk zu seinem Gotte:
"Wenn's denn so ist, soll's wohl sein.
Leben wir zu uns'rem Spotte,
ich als Hund, doch du als Schwein,
denn das bist du, ohne Zweifel.
Du erschufst mich, wie ich bin,
und so kann das nur der Teufel,
häßlich, ohne Zweck und Sinn.
Wenn du nicht mein Schöpfer wärest,
ginge ich dir jetzt ans Leder.
Dass mit mir das Leid du mehrest
ist bewiesen und sieht jeder."

Sprach der Meister: "Das ist wahr.
Cerberos, der Höllenhund,
bist du, wird mir langsam klar,
und tust du als Werk hier kund.
Elend sind hier die Versuche,
Schöpfer spielend, zu erschaffen!
Dass ich doch den Tag verfluche
- lausten mich des Wahnsinns Affen? -
als ich anfing in der Leere,
so wie Gott es einst getan,
füllen wollte diese hehre,
was nun wirklich keiner kann."

Sprach der Hund zu seinem Meister:
"Wirf den Hammer und den Meißel
samt Palette, Pinsel, Kleister
fort und auf den Mist die Geißel,
welche nie erreichen kann
Qualität aus Lebens Hand.
Raff dich auf und mach dich dran,
einzusetzen den Verstand,
der dir sagt, dass Geisteskraft
Kunst ersetzt im Schöpfungsplan,
ohne dass gleich abgeschafft,
was sie will und was sie kann."


Sprach der Meister zu dem Hunde:
"Ihre Grenzen kann ich sehen,
und ich will zur selben Stunde
schöpfend neue Wege gehen.
Bilder schaffen will ich viele
aus der Imagination,
und es sei dabei im Spiele,
gottbegnadet, die Vision!
Das Geseh'ne zu beschreiben
soll mein Werk in Zukunft sein.
Kunst - bereichernd - darf gern bleiben,
aber engt nun nicht mehr ein!"

Sprach der Hund: "Was wird aus mir?"
Und der Meister sagte trocken:
"Wächter wirst du vor der Tür,
hinter der die Mächte locken,
die, dem Gotte gleich, erschaffen
können durch die Kraft des Geistes,
nicht nur Teufel, Hunde, Affen,
sondern alles! - So, jetzt weißt es!"
Cerberos hat kurz geknurrt,
aber dann nicht mehr gemurrt,
denn es war ihm doch zu schade,
zu verscherzen Gottes Gnade.

BĀLAVAT