Das Tier im Menschen

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Das Tier im Menschen
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Das Tier im Menschen

Objekt, div. Materialien 35 x 45 x 20 cm

Das Tier im Menschen

Und auf der tiefsten Stufe fand ich höchstes Glück;
für fünf Sekunden zwar nur, aber immerhin. Im Angesicht des Leides dieser Welt und der Zerteiltheit aller Dinge hier ist dieser kurze Rausch des Einsseins nicht zu unterschätzen und wird als Triebkraft allen Daseins anerkannt. "Nur selten wird sich einer gegen sie erheben", so dachte leis' ich bei mir und hab' zugestoßen, von hinten, weil es so am besten ging, und automatisch zuckten mir die Lenden.
Sie stöhnte, schrie vor Lust dabei. Ich tat's ihr nach, doch gingen beim Ergusse diese Laute völlig unerwartet in ein hohes Pfeifen über, und hinter den geschlossenen Lidern sah ich mit verdrehten Augen Licht und einen hellen Raum, sah sie und mich von außerhalb als Mäuse vor einem Spiegel kopulierend und erschrak gar sehr.
Ich fiel vom Weibe ab, wie eine reife Frucht vom Baume fällt und stürzte in die Kissen, wie die ins weiche Gras, erfüllt zwar, doch gezwungen, für immer zu vergehen, weil ich den Sinn vollzogen, den mir das Dasein gab: Reproduktion!
Da weinte ich ganz bitterlich im großen Trennungsschmerze.
"Fluch über alle niederen Gelüste!" rief ich laut, als kurz darauf erneut der Penis erigierte. "Verdammt! - Wie kann man nur das Tier in sich besiegen?!"
Die Antwort kam spontan, im Chor und pfeifend von den Mäusen:
"Lass von der Katz es jagen!" so riefen sie mir zu. Ich tat, wie mir geheißen und eine mich seitdem auf einer höheren Warte mit allen Wesen, auch den unsichtbaren - und aus den fünf Sekunden wurde Ewigkeit!

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