Die Erschaffung der Schäfchenwolken
"Mutter!" rief das göttliche Kind, "nun weiß ich endlich, wie Schäfchenwolken hergestellt werden. Der Vater hatte es mir nicht sagen wollen, als ich ihn danach fragte. Er war der Meinung, dass ich es selbst herausfinden solle. Ist das nicht gemein von ihm?"
"Nein, nein", antwortete Maria und schüttelte den Kopf, "das ist es nicht, mein liebes Kind. Es ist die Methode des Vaters, dich dazu anzuregen, so zu werden wie er: ein Schöpfer des Himmels und der Erde."
"Aha", antwortete das göttliche Kind, "ich verstehe!"
Dann aber, nach einiger Zeit und mit verändertem Tonfall und in eine Art Singsang fallend, begann es, wie in Trance zu sprechen:
"Höre, denn ich sage dir,
aus eins mach zwei. Aus zwei mach vier.
Aus vier mach acht, vertausendfacht.
Milliarden Sterne erleuchten die Nacht.
Die Wolken, sie ziehn um den Erdenball.
Es gibt einen einzigen Sündenfall:
Nichts zu begreifen und nichts zu verstehn
und ohne zu schöpfen durchs Leben zu gehn.
Mach', was du willst, doch tu keinem weh!
Ehre den Himmel und Gott in der Höh.
Ein Lob auch der Hölle und selbst ihrer Brut.
Die Kenntnis des Bösen erst macht einen gut.
Der Finsternis Schatten lässt ahnen das Licht.
Zeit ist's, dass des Geistes Herrschaft anbricht!
Es stürzet das Alte. Das Neue, es naht.
Auf geht des heiligen Wissens Saat!
Nichts ist mehr gesondert und alles vereint.
Ein jeder sagt 'Ja', selbst wenn er verneint.
Tod und Zerstörung den Schrecken verlieren,
weil sie nur noch als Beiwerk die Ewigkeit zieren.
Höre auf, was zu wünschen und auch mit dem Wollen,
wenn die himmlischen Mächte dich handeln sollen.
Lange genug ist die Kuh nun gemolken.
Ich bin der Schöpfer der Schäfchenwolken!"
Dann schwieg das göttliche Kind und segnete das einzige, erste und letzte Schaf, das es je gegeben hatte und geben würde, und dieses versprach ihm, immer, wenn es die Wetterlage auf Erden zuließe, Schäfchenwolken herzustellen, soviel es nur konnte.
Der Allgeist aber, der alles mit angehört hatte, lachte aus voller Brust.
BĀLAVAT
