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Selbsttätige Imagination

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Text 'Selbsttätige Imagination', gelesen von BĀLAVAT

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Text 'Selbsttätige Imagination', gelesen von Renate von Charlottenburg

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Selbsttätige Imagination

div. Materialien auf Leinwand, 160x120 cm

Selbsttätige Imagination

Ein Bild des Geistes erschien mir vor geschloss‘nen Augen:
Die Hand des Buddha, marmorweiß und schön,
war auf dem schwarzen Grund des Inneren klar zu sehen.
Aus dunkler Leere, leuchtend, leicht von oben,
bot einen Bonbon mir die heil‘ge Hand,
als ein Geschenk des Geistes von hoch oben.

Da nicht erfasst von mir - im Halbschlaf liegend -,
woher die Hand aus dunklem Nichtse kam,
dacht‘ an die alten Zähne ich zuerst, die mir im Munde
so manchen Schmerz durch süße Leckereien
als Gegengabe, die duale, die man kennt,
bereitet hatten, jäh und unerträglich.
Ich lehnte also ab das Gott-Geschenk,
mich revidierend, als ich halb erwachte
aus meiner Trance, die dieses Bild erschuf.
„Nein!“ rief ich. „Gib nur! Gib
das süße Ding mir! Gib es her!
Des Lebens Bitternis ist groß genug!
Nicht rechtens ist‘s, Geschenke auszuschlagen,
die uns aus Gram und Pein so gnadenvoll erlösen!“

Und willig gab die Hand mir das Geschenk.
Ich wickelte gekonnt aus dem Papiere
den bunten, dargereichten, süßen Stoff,
um ihn allsdann im Munde, oft geübt,
herumzudrehn und mit der Zunge zu benetzen,
mit Speichel, der zuhauf vergnügt mir floss
und den ich dazu nutzte, zielgerichtet,
das süße Götterding zu lutschen und zu wenden,
auf dass es flüssig wurde, dazu reif zum Schlucken.

Kaum dass vollbracht der Akt der Übergabe,
vom Gott zum Menschen ward geglücket der Transfer,
kam mir ein Schwall von Worten in den Sinn,
die ich zu unserem Glück und Nutzen aufgeschrieben.
Hier sind sie nun. Ich will sie kund euch tun,
weil sie für einen Einzelnen zu wahr, zu schön,
um sie für sich allein zurückzuhalten.

Die Stimme sprach:

Im Hinblick auf das zuhöchst subjektive SEIENDE NICHTS und seine unendlichen transzendenten Möglichkeiten, welche, da sie der höchsten Subjektivität des SEIENDEN NICHTS angehören, juxtapositionär dual und dennoch in Identität ein und dasselbe sind, diese Identität sich jedoch nur auf das Hervorbringen unterschiedlichster neuer Formen beschränkt, die, wie das SEIENDE NICHTS, selbst ebenso zuhöchst subjektiv sein müssen, weil sie aus derselben Substanz bestehen, ist die weiterführende kausallogische Folge, dass jede wörtlich oder bildlich fixierte Vorstellung oder Imagination, jede Vision, d.h. jedwede selbsttätig erscheinende Idee eines menschlichen Denkwesens, die Substanz des SEIENDEN NICHTS besitzt und somit, ebenso wie diese, zur Materialisation aus dem Nichts befähigt ist. Idee ist substanziell.

Idee ist transsubjektive Substanz und insofern hyperreal.
Um diese eindimensionale subjektive ‚Realität‘ der Ideensubstanz zur Objektivität dreidimensionaler Existenz zu erweitern, involviert sich das SEIENDE NICHTS bewusst durch Abzug seiner Subjektivität und der damit verbundenen Bewusstheit von sich selbst, in einem involutionären Akt hin zu höchst objektiv seiender, alle seine unendlichen transzendenten Möglichkeiten in sich bergender Urmaterie. Materie ist also, da sie die unendlichen transzendenten Möglichkeiten des SEIENDEN NICHTS in sich birgt, welche omnipotent sind, ebenfalls omnipotent.
Aus Materie, welche objektivierter Geist ist, kann dieser alles machen, da seine unendlichen, transzendenten Möglichkeiten, die im höchsten Subjekt auf dessen Ideenebene frei sind, in der Mater, der Materie, eben nur noch involviert sind und darauf warten, durch den Geist hervorgeholt zu werden.
Weil die objektive Materie jedoch das juxtapositionäre duale Gegenteil innerhalb der geheimen Identität ist - Geist ist leicht, formlos, frei; Materie ist schwer, unterliegt formalen, physischen, universellen Gesetzen und ist von A - Z determiniert -, ist ihre Versubjektivierung nicht leicht, und die Möglichkeit ihrer Verwesenhaftung unterliegt dem Gesetz der Endlichkeit, der Hervorbringung und Auflösung ihrer formalen Experimente, dem Anfang und dem Ende der Form und darum dem Leben und Tod.
Erst die nicht mehr weiter zu vervollkommnende, unüberbietbare Form und der ihr innewohnende, Wahrheit widerspiegelnde geistige Inhalt, die sich gegenseitig bedingen, schaffen Unsterblichkeit höchsten formalen Ausdrucks, also ewiges, wesenhaftes Leben im Universum und auf Erden.

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