Das glückliche Unglück oder Die Entstehung einer 'Mutatio Generalis'
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Text 'Das glückliche Unglück oder Die Entstehung einer 'Mutatio Generalis'', gelesen von BĀLAVAT
Text 'Das glückliche Unglück oder Die Entstehung einer 'Mutatio Generalis'', gelesen von Renate von Charlottenburg
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div. Materialien auf Leinwand, 160x120 cm
Das glückliche Unglück oder Die Entstehung einer 'Mutatio Generalis'
In wildem Spiele durch die sieben Himmel jagend,
um eine Sonne streitend, leuchtend schön,
durchtobten einst der Engel zweie jauchzend
die transzendenten Weiten großen Geistes
im Freiheitsrausche und im Rausch des Glücks.
Und wie es geht bei unbedachtem Spiele,
wenn Leidenschaft hinweg reißt jede Grenze
und aus dem Spaß des Ernstes Fratze droht,
bemerkten fast zu spät die beiden Spieler,
dass lange schon den letzten Himmel sie verlassen
und nun am Abgrund einer gelben Schwefelwolke tobten.
Als jener Engel mit dem Sonnenball noch stürzte
und hin zum Rande rutschte unaufhaltsam,
bot seinem Blick sich dar das Weltenall. Er rief:
"Wer da hinunterstürzt, der ist verloren!
Vorbei das Spiel, die Freude und das Glück!
Es stinkt nach Arbeit, Mühsal und nach schweren Zeiten.
Und schau nur, Bruder! - Siehst du, was ich sehe?
Es ist das ganze Universum voller Bauarbeiter!
Gefüllt mit Putzfrauen ist das ganze All!
Halbfertig ist der Raum erst eingerichtet,
in dem des Lichtes Wesen später wohnen werden!"
Der Angesprochene gab die Antwort und zwar passend:
"Dann halte fest - um Himmelswillen - diesen Ball!
Es ist des Geistes Sonne, die du trägst!
Sie darf in diesem Universum noch nicht leuchten,
in dem zur Hälfte alles erst erschaffen!
Es ist zu früh, sie schon ins Spiel zu bringen!
Zu unreif ist das All, zu jung die Sterne,
um schon das ganze Licht der Wahrheit zu ertragen!
Halt fest sie, Bruder, sonst kann's Ärger geben
mit unserem allerhöchsten Herrn und lieben Gott!"
Zu spät die Warnung, denn es gab kein Halten.
Der Schwung zu groß, mit dem das Spiel betrieben.
Sie rutschten bäuchlings und dabei kopfüber
in jenen Schlund der dritten Dimension,
in dem Gesetze der Zerteilung herrschten,
zugunsten tausendfacher Formenbildung.
Hier hatte man das Einssein ganz vergessen,
es war gelöscht und nicht erinnert mehr.
Ein jedes Ding und auch ein jedes Wesen
war ganz und gar nur für sich selber da!
Begrenzt war alles, alles war gemessen,
gezählt, verrechnet und dann abgewogen,
war handhabbar und dienstbar sich gemacht.
In diesen Abgrund stürzten beide Engel
mit einem Aufschrei aus den Sängerkehlen,
aus denen sonst das Halleluja klang,
so dass der ganze Weltraum davon bebte!
Und als dann noch der Wahrheit Sonne gleißend hell
im Raum der Unbewusstheit leuchtend strahlte,
da hielten alle Bauarbeiter mit der Arbeit inne,
die Putzfrauen standen da mit offenen Mündern;
man sah das mangelhafte Werk in seinen Händen,
doch auch, wie es zu Besserem sich wenden ließ.
Seitdem hört man kein Ächzen und kein Stöhnen
bei schwerer Arbeit, die auch nicht mehr stinkt.
Der Sinn des Tuns gibt Kraft und Macht die Freude,
und Überstunden bleiben unbezahlt!
Der Lohn? Das Licht, die Luft, die Liebe!
Musik, Gesang und endlich, endlich Harmonie für immer,
die ohne Schrecken, Zwang und auch Gewalt,
Berechnung, List und Tücke existiert.
Anarchisch ist die große neue Ordnung!
BĀLAVAT
