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Des Satans Himmelfahrt

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Text 'Des Satans Himmelfahrt', gelesen von BĀLAVAT

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Text 'Des Satans Himmelfahrt', gelesen von Renate von Charlottenburg

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Des Satans Himmelfahrt

div. Materialien auf Leinwand, 100x80 cm

Des Satans Himmelfahrt

Und während draußen durch die Nacht der Sandsturm tobte,
der Augen trübt und blind macht, bis das Denken fiebert,
spitzten die schwarzen Höllenhunde ihre Ohren,
denn ihnen war, als hätten sie aus anderer Welt,
der Welt des Tages, welcher niemals endet,
ein zärtlich Raunen und ein Wispern wahrgenommen,
dabei die Stimme ihres Herrn erkannt,
des Ziegenbockes, des Satans, der die Welt beherrscht,
die unterdessen ganz und gar dem Niedrigen
und auch dem Bösen war anheimgefallen.

Sie hörten seine Stimme! Zweifelsohne!
Wo aber kam sie her? Wo kam sie her?
Sie legten ihre Ohren an die Wand der Nacht
und lauschten, Atem haltend, lange.
Und was sie hörten, ließ ihr Haar sich sträuben:

Der Herr des Himmels, in eines Hirtenknäbeleins Gestalt,
sprach zu dem Herrn der Unterwelt,
dabei ihn zärtlich in die Arme nehmend und liebkosend:

"Oh, Satan, süßer Satan du!
Du bist der Liebste mir in diesem Sein!
Du zerrst die Tugend in den Dreck
und in den Sumpf und in das Fieber,
und in die Zweifelhaftigkeit bringst du das Gute,
wenn still es steht und nicht nach Besserem strebt.

Du bist die heilige Versuchung der Asketen,
du bist die Frage nach der Lauterkeit,
erzeugst die Schwäche ethisch starker Wesen,
bringst zum Verrat so manchen an der eigenen Sache.
Du prüfst das Mitleid mit zu hohen Spenden,
bringst Seelen gar dazu, sich zu verkaufen,
erzeugst die Lüsternheit in Beichtstuhls Dunkel,
lässt ängstlich flackern großer Helden Blick.

Du bist der Liebste mir, du Ausgeburt des Bösen.
Du treibst voran und in den Untergang.
Du bist das Schwert mit doppeltscharfer Klinge,
und selbst die Unschuld bietet dir nicht Halt.
Dem Bösen gibst du Macht und Glanz
und schreibst ihm Gutes auf das Schild nach außen.

Der Lüge leihst du Logik, gibst ihr Bügelfalten,
der Heuchlerin das Abendkleid, die Krone.
Und schlimmer noch als all das schon Gesagte,
bist du der Kinderschänder und der Arschablecker.
Du schürst Verrat und Feigheit vor dem Feinde,
bist Folterknecht und warmes Wohlbefinden.
Der Schläfrigkeit Erfinder, der bist du,
der Rasende und Amokläufer auch.
Die angenehmste Daseinslage ist dir Mittel
und Instrument der Macht sind dir die Drüsen.

Du hast die Pläne für den Fortbestand der Welt
in deiner ausgebeulten Manteltasche;
dort ist verzeichnet in lebendigem Bilde,
wohin die Reise geht der Menschenart,
wenn sie sich nicht erhebt zum Überguten
und wirklich macht, was ihrer Sehnsucht eingeboren.

Zur Hölle geht sie, und sie tut es gern,
wie du zum Himmel jetzt, Gehörnter, schwebst,
weil du mir lieb bist, wie kein Zweiter,
will ich dir geben, was dir stets gehörte:
Die Macht des Lichtes samt dem Gottesthron
und seinen Namen noch dazu. Du sollst ihn tragen!

Denn lang genug hast du dich abgemüht,
zu einer Hölle diese Welt zu machen,
und ganze Arbeit hast du wohl geleistet.
Heut ist dein großer Tag gekommen:
Des Teufels Himmelfahrt!"

So sprach das Hirtenknäblein zu dem Bocke
und seiner Ziege auch, die sich im Hintergrunde hielt,
und wie in einem Fahrstuhlschacht nach oben
sausten die drei in nie erreichte Höhen.

Die schwarzen Hunde aber hatten jedes Wort
mit angehaltenem Atem angehört,
vor Schreck das weitere Luftholen glatt vergessen
und waren, als ihr Leben wich, erstarrt.

Sie sitzen heut' noch da, wo sie das Ende traf,
und herrenlos sind sie und auch die Erde,
leer der Planet und ohne Tugend, Sünde,
ist er befreit und jungfräulich zu nennen.
Ein Neubeginn wird sicher vorbereitet.

BĀLAVAT

 
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