top of page
Zurück
Die Darbringung der evolutionären Vergangenheit

Video anschauen

BĀLAVAT liest

Die Darbringung der evolutionären Vergangenheit
00:00 / 01:04
Lade...
Die Darbringung der evolutionären Vergangenheit

div. Materialien auf Leinwand 100 x 80 cm

Die Darbringung der evolutionären Vergangenheit

Ihm war zuteil geworden - aus welchem Grund auch immer - , wohl teils aus Gnade, teils weil er ihn suchte, den Sinn des Ganzen tief, bis in den tiefsten Grund hin, zu verstehen.
Mit diesem Lichte, das nicht näher hier beschrieben, jedoch vorhanden war, tatsächlich wie die Sonne, brach ein er in das Reich des Großen Schattens, in jene Welt und Welten, die's nicht mehr gab, in die vergang'nen Zeiten, dunkel und vergessen.
Er ward zum Wilden und zum Kannibalen, er raubte Frauen, brachte Männer um, wohnte in Felsenhöhlen, erfand das Feuermachen und das Rad - ein Gipfel seines Tuns. Er kämpfte gegen Artgenossen, jagte Tiger, trank Blut und griff ins Fleisch der Frauen, schrie wie ein Tier zum Monde, nagte Knochen, ward dann zum Wolfe und zum Fuchs, zum Hasen, danach zur Ratte und zur Maus und dann ein Egel, ein Sauger fremden Blutes. Am Ende war er Wurm, ein Fraß von allen andern, die irgendwann zu seiner Nahrung wurden, und er dachte: "Was noch!? - Mein Gott! Was muss ich nun noch werden?!"
Kaum hatte er's gedacht, ward er zum Baum, zum Busch und dann zum Farn an eines Berges Fuß, der Feuer spuckte, Lava spie und ihn begrub mit Asche und mit Stein, von Gletschern hergeholt, wohl hundert Meter tief begraben, da lag er nun und konnte nicht verfaulen, Milliarden Jahre lang, gepresst, gedrückt, gequetscht und schwarz verdichtet, und ward zur Kohle, ja, zu Kohle ward er, so schwarz, wie Nacht ist, wenn der Mond nicht scheint.
So war auch seine Seele, und er hielt sie hin der Wahrheitssonne und dem Sinn des Ganzen (der hier verraten nicht, nur angedeutet und hinter grauer Wolkenwand des Denkens gut versteckt), damit in Glut die Unsichtbaren ihn versetzten, aus Gründen zweierlei zu nennen:
Erstens, damit er brenne so wie Erstgenannte, und zweitens, um dann, von Geistes Winden hochgehoben, in alle Himmelsrichtungen fortzuwehen, damit sich weite, was so eng gepresst gewesen und er im Ganzen wesen könnte, nicht nur im Teil zu leben, denn das war nicht der Sinn von jeglicher Bewegung; Endziel und auch Erfüllung hieß, die Zukunft dort zu finden, wo alles einst begann: im weiten, unbegrenzten, frohen, freien Geist des Lichts der Sonne und in myriadenfacher Form zu leben aus einem einz'gen Grund: sich an sich selber zu entzücken!

BĀLAVAT

 
bottom of page