| Das seiende NICHTS, der Urknall und die Substanz der Idee | |
Gelangt der kausal-logisch Denkende an den Punkt, wo er ein seiendes NICHTS als eine allen anderen Erscheinungen vorangehende ursächliche Vorhandenheit, also als ein neues und größeres, da erweitertes, alles Bisherige überhöhendes Axiom ansieht und erkennt, stellen sich ihm die Fragen: Wie funktioniert dieses seiende NICHTS? Warum wird es überhaupt aktiv? Welchen Stand findet in dieser uferlosen und unendlichen Aktion und Vorhandenheit die Entität des Erkennenden? Wer ist er selber? Und zu welchem Zweck ist er da? Wie und zu welchem Zweck mag ein in seiner Qualität einheitliches seiendes NICHTS (das einheitlich ist, weil es außer der Qualitätslosigkeit keine Qualität besitzt) den rhythmischen oder gleichmäßig andauernden Impuls erzeugen, sich seiner Vorhandenheit dadurch vergewissern zu wollen, dass es Teile seines quantitativ unendlichen, jedoch tatsächlich vorhandenen, da daseienden NICHTS, das nachgewiesenermaßen formlos und frei ist, in einem sporadisch oder andauernd aktiv werdenden Prozess zu Urmaterie verdichten, in der es doch seine Freiheit und Ungebundenheit aufgibt und seine Unendlichkeit vergisst? So kompliziert die Frage gestellt wurde, so einfach ist die Antwort: Das NICHTS schläft ein, um in und mit der Materie in der Dreidimensionalität wieder aufzuwachen. Das unendliche, vorhandene, freie, formlose, sich seiner Vorhandenheit bewusste NICHTS schläft, wenigstens teilweise, ein (denn ganz kann es ja nicht einschlafen, da es unendlich ist); wenn also das NICHTS, das, wie wir gesehen haben, wach ist und Teile seines unendlichen Daseins sich in die urmaterielle Existenz (die Urmaterie fand außerhalb der Raum-Zeit-Existenz statt) schleichen, indem sie sich einschlafend (träumend vielleicht) involvieren und sich so im NICHTS dessen Gegenteil, ein ETWAS (Raum-Zeit-Materie) durch den Urknall bilden sollte, welches logischerweise in sich nicht weit und frei, sondern eng und begrenzt wäre, obwohl es dies, wie wir wissen, nicht ist und sein kann, es sozusagen zu seinem ,Gegenteil wird, ist klar und nicht verwunderlich, dass dieser Prozess nur dann einen Abschluss fände, wenn das der Urmaterie innewohnende, weil aus derselben Substanz bestehende, unendliche, weite und freie, in sich eins seiende Prinzip des seienden NICHTS die zerteilende Beengung, die ihm im involutionären Einschlafprozess widerfährt, irgendwann nicht mehr aushielte oder aushalten wollte (vielleicht als ein selbstbestimmtes ,GENUG! seiner unendlich weiten und freien Natur) und es zu sich sagte: "Explodiere!". Der Urknall wäre erklärt! Erklärt wäre die Existenz von Raum und Zeit, ihre Ursache gefunden, also auch das Ziel (eine philosophische Revolution unvorstellbaren Ausmaßes!). Die Evolution als ,Rückentwicklung und dennoch ,Aufwärtsentwicklung wäre geklärt. Die Evolution folgte den von der Involution bewusst gelegten und visionierten Spuren bei ständiger Expansion des Universums in die Unendlichkeit eines seienden NICHTS, bis dass sie zur Ruhe käme oder nie aufhörte, um zu erwachen und um sich evolutionär der Involution zu erinnern und unter Mitnahme des zu entwickelnden Stoffes zu einer oder vielen gewünschten Gestaltungen zu gelangen und ihnen spielend und kreierend inne zu wohnen; und das, um multipersonell und individuell gleichzeitig oder auch und dabei nicht ausschließend, sondern zusätzlich, an der Evolutionierung der Körperlichkeit teilzuhaben und das ihr innewohnende, qualitativ unendliche Potential zur Freude am Möglichen kreierend freizulegen. Da bisher, außer den Dinosauriern und einigen anderen Arten, wenn man die Gesamtevolution betrachtet, im Grunde nur wenig verworfen wurde, sondern, im Gegenteil, viel zugelassen wird, kommt man zum Schluss, dass das erwachende materielle, raumzeitliche seiende NICHTS eine Artenfülle anstrebt, wobei es ihm weniger auf die Anzahl innerhalb der Art als auf die Qualität Einzelner ankommt. Die Idee der Sache oder des Wesens zählt, nicht die Menge. Die wird durch die unendliche Quantität des NICHTS erzeugt und dient der Sicherheit der Durchsetzung des Willens des seienden NICHTS. Folgt man also der Vorstellung, dass ein tatsächlich vorhandenes seiendes NICHTS der materiellen Existenz in Raum und Zeit vorausgeht und die Bewegung des evolutionären Werdens begleitet, in etwa so, wie ein leeres Blatt Papier die Schrift und ihren geistigen Inhalt trägt, kommt man kausal-logisch denkend nicht umhin, die Vorhandenheit eines intelligenten, Form- und Inhalt gebenden, bewussten, schöpferisch agierenden Willens anzunehmen oder die Existenz eines solchen zumindest für höchst wahrscheinlich zu halten. Tatsache ist, dass der menschliche Geist im Anblick des NICHTS zu zweierlei Bewegungen imstande ist: Erstens kann er sich - wie er auch immer zur Ein- oder Ansicht einer absoluten Leere oder endgültigen Sinnlosigkeit gelangt sein mag - entweder auf die Seite des ,Aus stellen und dabei das Vorhandene samt sich selbst als illusionär empfinden, oder: Er erklärt die sinnlich und intellektuell erfahrbare Existenz - gleichgültig, ob diese ihm gefällt oder nicht - zur einzigen, alleingültigen Wirklichkeit, von der er natürlich weiß, dass sie ihm nur zeitweilig zur Verfügung steht und ihm mit dem Ende der individuellen Wahrnehmung im seienden NICHTS abhanden kommt. Die Reproduktion seiner selbst als biologische Körperform, die imstande ist, sich ihrer selbst im Vorhandensein bewusst zu werden, sowie die Weitergabe ihrer bisher evolutionär gebildeten Fähigkeiten und Erfahrungen an die kollektive Existenz der eigenen Art, erkennt der menschliche Geist - intellektuell unbegründet, weil philosophisch und erkenntnistheoretisch nicht zur Zufriedenheit gelöst - als das ,höchste Gut und den höchsten, weil für sich allein nützlichen ethischen Wert, was natürlich nicht tief genug greift, wie wir kausal-logischen Denker wissen, um wahr in dem Sinne zu sein, dass es für die tatsächliche und andauernde Vorhandenheit einer geistigen Person, als die wir uns in unserer Gesamtexistenz empfinden, langt. Das, was hier ,denkt und/oder ,geistig vorhanden ist, weiß seine Existenz bewiesener- weil erfahrener Weise als begrenzt. Wer sich nicht als begrenzt empfindet, obwohl er es ist, irrt. Wir halten fest und erkennen: Hier kehrt sich das ideative Gesetz um. Nur das Kollektiv, nicht der Einzelne innerhalb der Art zählt. Das Individuum ist belanglos. Ein entsetzlicher Zustand für ein sich in der Existenz bewusst werdendes, als Person empfindendes Wesen. Also ein die Bejahung des Lebens und Daseins in Frage stellendes Moment. Uns, als die wir uns im Einzelnen wie im Ganzen empfinden, soll es auf Dauer nicht geben? Wir sollen im Ganzen untergehen oder illusionär sein? Da bleibt man besser Nihilist, denn dann braucht man das Ganze nicht mehr ins Auge zu fassen. Da ist man individuell frei, vergnügt und immerhin noch mehr da, als wenn man den Nihilismus auf die Spitze triebe und sich vorzeitig umbrächte. Also leben wir lieber darauf los! Sterben können oder müssen wir immer noch! Eine solche Grundhaltung führt in das bekannte gesellschaftliche Niveau, das wir heute kennen, und das wir als das unsrige kulturell in Beschlag nehmen, ohne auch nur im Geringsten an ein wirklich neues Erkennen zu denken. Weltbejahung und Weltverneinung sind nicht die richtigen Mittel, um der Weltkräfte Herr zu werden. Wir müssen jene überschreiten! Besser heute als morgen. Aber wie? Die Antwort ist so lapidar wie einfach: durch Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung im kreativen Akt und einer daraus resultierenden Geisteshaltung, die in bewusstes Wollen mündet. Das NICHTS, dieses schwarze, leere, unheimliche, im Grunde nicht vorhandene, macht demjenigen Angst, der weiß, dass er da ist, also Sein besitzt, und es irgendwann nicht mehr besitzen soll. Hier beginnt die Möglichkeit einer Person überschreitenden Identifizierung mit dem Ganzen als dem seienden NICHTS. Dann fürchteten wir uns einfach nicht mehr vor dem seienden NICHTS, weil wir größer geworden sind als wir bisher waren. Und wodurch? Durch die elementare Kenntnis davon, dass zutiefst zwei Wahrheiten existieren, die im Grunde nur eine Wahrheit sind: Ohne das Nichts, kein Sein. Ohne das Sein, kein bewusster schöpferischer Akt. Kein bewusster, selbstschöpferischer Akt ohne Kenntnis des universellen involutionären und evolutionären Prinzips. |
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| © by BALVAT 1998 (auch auszugsweise) | weiter |